Immer wieder derselbe Streit – warum Paare in Mustern feststecken
von Birgit Huvendieck · Klangmassage & Entspannung Braunschweig
Wahrscheinlich kennen Sie das Gefühl.
Ein Streit beginnt – und schon nach wenigen Momenten wissen Sie: Das haben wir schon so oft gehabt. Dasselbe Thema, dieselben Worte, dieselbe Mauer. Der eine zieht sich zurück, die andere drängt nach. Oder umgekehrt. Und am Ende sind Sie erschöpft – vom Streit selbst und von dem Gefühl, dass sich nichts ändert.
Ich kenne dieses Gefühl aus eigener Erfahrung. Und ich höre es fast täglich von den Paaren, die zu mir kommen.
Die gute Nachricht: Es gibt einen Grund dafür. Und es gibt einen Weg heraus.
Warum Paare immer wieder in dieselben Muster geraten
Wenn Paare feststecken, liegt das selten am Thema des Streits. Es liegt fast immer an dem, was unter dem Thema liegt.
Terry Real, der Begründer von RLT – Relational Life Therapy –, nennt es das „adaptive child": den Teil in uns, der in der Kindheit gelernt hat, wie man mit Schmerz, Ablehnung oder Überforderung umgeht. Dieser Teil hat uns damals geschützt. Er hat dafür gesorgt, dass wir durch schwierige Momente gekommen sind.
Das Problem ist: Er ist noch immer aktiv. Auch wenn wir längst erwachsen sind.
Wenn Ihr Partner etwas sagt, das sich anfühlt wie Kritik – auch wenn er das gar nicht so meint –, reagiert nicht der ruhige Erwachsene in Ihnen. Es reagiert das Kind, das gelernt hat: Kritik bedeutet Ablehnung. Ablehnung bedeutet Gefahr. Und dann kommt die Verteidigung, der Rückzug, die Explosion – ganz automatisch, ganz schnell, bevor der Verstand überhaupt einschalten kann.
Ihr Partner hat seinen eigenen solchen Teil. Und plötzlich sprechen nicht zwei Erwachsene miteinander – sondern zwei Kinder, die beide Angst haben und beide kämpfen.
Der Tanz, den Sie nicht gewählt haben
RLT nennt diese Dynamik einen „Tanz" – ein Beziehungsmuster, das sich eingeschliffen hat, weil beide Partner immer wieder dieselben Schritte gehen. Nicht aus bösem Willen. Sondern weil es das ist, was sie kennen.
Der eine drängt, weil er Nähe will und Angst vor Distanz hat. Der andere zieht sich zurück, weil er Nähe als Bedrohung erlebt und Raum braucht. Der eine drängt mehr. Der andere zieht sich weiter zurück. Ein Kreis, der sich dreht – und der von selbst nicht aufhört.
Was diesen Tanz so hartnäckig macht: Er ist nicht rational. Man kann ihn nicht wegdenken oder wegdiskutieren. Einsicht allein reicht oft nicht. Denn die Muster sitzen tiefer als der Verstand – im Nervensystem, im Körper, in dem was wir gelernt haben zu fühlen, bevor wir sprechen konnten.
Was im RLT-Coaching wirklich hilft
Das ist der Punkt, an dem Relational Life Therapy ansetzt – und sich von vielen anderen Ansätzen unterscheidet.
Es geht nicht darum, besser zu kommunizieren. Nicht darum, mehr zuzuhören oder weniger zu kritisieren – auch wenn das alles seinen Platz hat. Es geht darum, den Tanz zu erkennen und zu unterbrechen. Zu verstehen, was in Ihnen und in Ihrem Partner ausgelöst wird – und warum.
RLT arbeitet dafür auf zwei Ebenen gleichzeitig: Es schaut, welche frühen Erfahrungen die heutigen Reaktionen prägen – und bleibt gleichzeitig nah an dem, was sich jetzt verändern kann. Das Relational Life Institute beschreibt es so: Erst aufwachen und die Muster ehrlich benennen, dann die Wunden heilen, die dahinterstecken – und schließlich die konkreten Fähigkeiten lernen, um Verbindung im Alltag zu halten.
In meiner Arbeit mit Paaren frage ich oft: Was ist das Älteste, was Sie gerade fühlen? Nicht den Auslöser von heute – sondern das, was darunter liegt. Was kennt dieses Gefühl aus früher?
Diese Frage verändert etwas. Weil sie den Streit aus dem Jetzt herausnimmt und sichtbar macht, was er wirklich ist: ein Echo. Kein Angriff des Partners – sondern eine alte Wunde, die sich meldet.
Wenn beide Partner das verstehen – wirklich verstehen, nicht nur im Kopf – entsteht etwas anderes. Mitgefühl statt Verteidigung. Neugier statt Anklage. Und plötzlich ist es kein Kampf mehr, sondern ein gemeinsames Hinschauen.
Unsere Beziehung als Biosphäre
Terry Real spricht davon, dass unsere Beziehungen unsere Biosphäre sind – das Ökosystem, in dem wir atmen, wachsen, gedeihen oder verkümmern. So wie ein Wald, der aus dem Gleichgewicht geraten ist, besonderer Aufmerksamkeit bedarf, braucht auch eine Beziehung manchmal jemanden von außen, der sieht, was drinnen passiert.
Als jemand, der ursprünglich Ökologin war, berührt mich dieses Bild sehr. Alles ist verbunden. Wie wir miteinander umgehen, spiegelt wider, wie wir mit uns selbst umgehen – und wie wir zur Welt um uns herum stehen. Eine Beziehung zu heilen bedeutet nicht nur, zwei Menschen zu helfen. Es bedeutet, einen kleinen Teil des großen Geflechts des Lebens zu stärken.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für Paarberatung?
Viele Paare warten zu lange. Sie hoffen, dass es von selbst besser wird. Dass der nächste Urlaub, das nächste ruhige Wochenende, die nächste gute Phase den Knoten löst.
Manchmal tut er das. Meistens nicht.
Je länger ein Muster besteht, desto tiefer sitzt es. Das bedeutet nicht, dass es nicht veränderbar wäre – ganz im Gegenteil. Aber frühzeitig hinzuschauen ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche.
Ich sage das nicht als Appell. Ich sage es, weil ich weiß, wie es sich anfühlt zu warten – und wie es sich anfühlt, wenn sich endlich etwas bewegt.
Sie möchten mehr wissen?
Meine Praxis liegt An der Paulikirche 7 in Braunschweig. Sitzungen finden persönlich oder per Zoom statt – auf Deutsch und Englisch.
Wenn Sie sich in diesem Artikel wiedererkennen – wenn Sie merken, dass auch Sie einen Tanz kennen, den Sie am liebsten beenden würden – können Sie sich einfach melden. Ein erstes Gespräch ist unverbindlich, kein Programm, einfach schauen, ob es passt.
Birgit Huvendieck ist zertifizierte RLT-Coach nach Terry Real, Klangmassage-Praktikerin und Ruhetherapeutin in Braunschweig. Seit 2013 begleitet sie Menschen und Paare auf dem Weg zu mehr Ruhe, Lebendigkeit und erfüllten Beziehungen – persönlich und online, auf Deutsch und Englisch.